Evaluation des Förderprogramms Musische Bildung

Das grundsätzliche Anliegen des Förderprogramms, insbesondere sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen den Zugang zu musischer Bildung zu ermöglichen, hat sich erfüllt. Zu diesem Ergebnis kommt die Evaluation des Förderprogramms „Musische Bildung für alle“ des Zentrums für Kulturforschung im Auftrag des Verbandes der Musik- und Kunstschulen Brandenburg.

Seit 2010 fördert das Land Brandenburg mit jährlich 1,3 Millionen Euro das Bildungsprogramm, das insbesondere sozial benachteiligten Kindern und Menschen mit Behinderung den Zugang zu musischer Bildung ermöglichen soll und das die Entwicklung und Entfaltung von Talenten und das Ensemblespiel an öffentlich geförderten Musikschulen fördert. Dieses Landesprogramm gliedert sich in mehrere Teilbereiche, u.a. das Schulprogramm „Klasse: Musik“ für Grund- und Förderschulen und das Programm für Kitas in sozialen Problemlagen „Klingende Kita“.

Die Evaluation zeigt, dass eine möglichst frühe, kontinuierliche Förderung in den Kitas und Grundschulen die Bildungschancen für alle Kinder erheblich verbessert und sozial benachteiligte Kinder erreicht, die sonst über das Elternhaus nicht den Zugang zu musischer Bildung bekommen hätten. Programme wie „Klasse: Musik“ oder „Klingende Kita“ helfen, soziale Barrieren zu überwinden.

Die Grundschüler nehmen im Programm „Klasse: Musik“ zwei Jahre an dem erweiterten Musikunterricht teil. Drei Viertel aller Kinder möchten sich über die Programme „Klasse: Musik“ und „Klingende Kita“ hinaus weiterhin künstlerisch betätigen. Erwartungsgemäß streben Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern mit 89% stärker eine Fortsetzung der künstlerischen Aktivitäten an. Aber auch 54% der Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern möchte weiterhin künstlerisch-kreativ tätig sein. Das zeigt die Auswertung des Eltern-Kind-Fragebogens.

Ein Großteil der am Programm beteiligten Einrichtungen ist in ländlichen Gebieten und /oder sozialen Brennpunkten angesiedelt und das Programm engagiert sich damit in Regionen, die bundesweit im Bereich der kulturellen Bildung als besonders förderungswürdig gelten.

Da vor allem in jungen Jahren der Grundstein für gelingendes Lernen gelegt wird, strebt das Landesprogramm die frühestmögliche Förderung der Kinder an und wendet sich daher schwerpunktmäßig an Kinder im Kita-Alter und im Primarbereich.

Insbesondere das Pilot-Programm „Klingende Kita“ wendet sich ausschließlich an Einrichtungen in sozialen Problemlagen. Die Auswahl der teilnehmenden Kitas erfolgt über die zuständigen Jugendämter. So können insbesondere solche Kinder erreicht werden, die aufgrund von Vernachlässigung oder Kinderarmut besonders belastet sind oder in denen eine Musikförderung durch die Eltern aufgrund der finanziellen Sitzuation nicht möglich erscheint.

Die Studie befragte die Akteure der Bildungsprogramme nach direkten Wirkungseffekten der Förderung, nach der Akzeptanz des Programms und nach der Einschätzung der beteiligten Musikschulpädagogen zu den Rahmenbedingungen ihrer Arbeit. Da sich die Entwicklung von Kooperationsprojekten mit Einrichtungen der Behindertenarbeit zunächst als schwierig erwies, sollte die Evaluation Handlungsempfehlungen für diesen Bereich entwickeln.

Die Evaluation hat gezeigt: 88% der befragten Eltern sind zufrieden bis sehr zufrieden mit dem landesweiten Bildungsprogramm. Nahezu alle Eltern (93%) wünschen sich eine Fortführung der musischen Förderung ihrer Kinder und dies besonders im schulischen Kontext (80%). 43% sind auch bereit, eine Fortführung im außerschulischen Bereich zu fördern.

Grundsätzlich konnte bei der Erhebung eine sehr hohe Zufriedenheit mit dem Landesprogramm bei allen Beteiligten ermittelt werden. Die Evaluation zeigt: Der Ansatz des Unterrichtens im Tandem hat dafür gesorgt, dass Musikschullehrer und Lehrer der Grundschulen und die Erzieher aus den Kitas eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Die veränderte Kooperationspraxis führt zu einer musischen Atmosphäre an den Schulen.

Auch hinsichtlich der Anforderungen an eine inklusive Schulentwicklung ist das brandenburgische Schul- und Kitaprogramm Vorreiter: 14% der in den Programmen beteiligten Kinder haben einen Förderbedarf und werden gemeinsam unterrichtet.

Durchgeführt wurde die Evaluation vom Zentrum für Kulturforschung unter der Federführung von Frau Prof. Dr. Susanne Keuchel. Damit konnte eine ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Kulturforschung gewonnen werden. Das Institut evaluiert seit über 40 Jahren große Projekte der kulturellen Bildung im gesamten Bundesgebiet (www.kulturforschung.de).